POLYTEC PASSION CREATES INNOVATION

TRANSFORMING CHANGE INTO PERFORMANCE

Große Teile der europäischen Automobilindustrie stehen seit 2017 unter strukturellem Druck, viele Zulieferer gerieten seither in wirtschaftliche Schieflage. Neue Wachstumsimpulse und eine Erholung der Branche sind mittelfristig kaum zu erwarten. POLYTEC reagierte frühzeitig auf diese Entwicklung, setzte strategische Prioritäten neu und entwickelte ihr Geschäftsmodell auch in Richtung Non-Automotive weiter. Heute präsentiert sich der Konzern entsprechend breit aufgestellt und technologisch differenziert.

Seit vielen Jahren bestimmen Wandlungsfähigkeit und Agilität unser unternehmerisches Handeln – Eigenschaften, die ­POLYTEC in der Vergangenheit immer wieder ermöglicht haben, auch unter anspruchsvollen Marktbedingungen erfolgreich zu wirtschaften.

Markus Huemer
CEO

2026 feiert POLYTEC vierzig Jahre Unternehmensgeschichte. Seit seiner Gründung im Jahr 1986 entwickelte sich das Unternehmen von einem Kleinbetrieb zu einem Konzern mit rund 3.000 Mitarbeiter:innen und Standorten auf vier Kontinenten. Die Geschichte der POLYTEC GROUP erzählt aber nicht nur von einer beeindruckenden Unternehmensentwicklung, sondern auch von makroökonomischen Turbulenzen und tiefgreifenden wirtschaftlichen sowie strukturellen Umbrüchen – und von einer Konstante: In all den Jahren gelang es POLYTEC, sich an veränderte Marktbedingungen anzupassen und stets gestärkt aus Zeiten des Wandels hervorzugehen. 
 

Frühe Jahre des Wachstums

Von 1986 bis 2008 wuchs das Unternehmen dank einer konsequent umgesetzten Buy-&-Build-Strategie zu einem internationalen Kunststoffspezialisten und etablierte sich als geschätzter Partner großer europäischer Automobil-OEMs. Selbst in konjunkturell schwierigen Phasen gelang es POLYTEC mit Innovationsgeist, Technologievielfalt und klarer Kundenorientierung, Wert zu schaffen. Ein wesentlicher Faktor dieser Entwicklung war die Nutzung von unternehmerischen Chancen auf Basis von schnellen und fundierten Entscheidungen.
 

Mit Anpassungsfähigkeit durch turbulente Zeiten

2008 löste die weltweite Finanzkrise einen Schock in der europäischen Automobilindustrie aus, von dem sich die Branche jedoch rasch wieder erholte. Viele Unternehmen erzielten in den darauf folgenden Jahren hohe Gewinne – so auch die POLYTEC GROUP, die 2017 mit EUR 55,1 Mio. ihr bis dahin höchstes EBIT erwirtschaftete.

Spätestens ab 2017 wurde jener strukturelle Wandel deutlich, mit dem sich vor allem die europäische Automobilindustrie bis heute konfrontiert sieht. Elektromobilität, zunehmende regulatorische Eingriffe, verschärfte CO₂-Vorgaben, COVID-19, die Halbleiter- und Rohstoffkrise, geopolitische Spannungen und der Markteintritt neuer Mitbewerber – insbesondere aus Asien – veränderten die Spielregeln grundlegend. Gleichzeitig wuchs der Kostendruck entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Von einer raschen Erholung der Branche wie nach 2008 geht heute kaum noch jemand aus. 

Für POLYTEC war diese Entwicklung ein Signal zum Handeln. Das Unternehmen begann, sein Portfolio zu überprüfen, reduzierte seine Abhängigkeit vom klassischen Verbrennungsmotor, baute systematisch neue, zukunftsorientierte Geschäftsfelder aus und schlug mit der POLYTEC SOLUTION FORCE neue Wege der Marktbearbeitung ein. Die Maßnahmen resultierten in einem deutlich diversifizierteren Produkt- und Kundenportfolio: Seine bestens im Markt etablierten Anwendungen für klassische Fahrzeuge und die Entwicklung umfassender ­Lösungen rund um Elektromobilität ergänzte der Konzern um völlig neue Produkte aus dem Bereich Non-Automotive. Basis dafür war die Bündelung jenes Kunststoff-Know-hows, das in den zurückliegenden Jahrzehnten an den verschiedenen Produktionsstandorten des Konzerns aufgebaut worden war.
 

Ein weiteres zentrales Element auf dem Weg zur langfristigen wirtschaftlichen Tragfähigkeit der POLYTEC GROUP bestand in der konsequenten Restrukturierung und gezielten Anpassung ihrer Kapazitäten. So wurden zwischen 2017 und April 2026 bestehende Werke geschlossen bzw. veräußert, in den Kauf und den Ausbau neuer Standorte investiert sowie zahlreiche Aufträge und Anlagen quer durch Europa verlagert, ohne die Versorgung von Kunden zu gefährden – eine durchaus beachtliche logistische und organisatorische Leistung. Bis Ende 2025 wurden darüber hinaus rund 1.500 Mitarbeiter:innen und damit gegenüber 2017 rund 30 ­Prozent der Belegschaft abgebaut. Bis Mitte 2026 sollen weitere 200 Mitarbeiter:innen abgebaut werden. Diese Maßnahmen sind einschneidend, aber notwendig, um die Kostenstruktur an die veränderten Marktbedingungen anzupassen, die zuletzt von abnehmenden Stückzahlen, hoher Volatilität der Abrufe sowie Überkapazitäten bei OEMs und ­Zulieferern geprägt waren.

Außerdem fokussierte POLYTEC auf konsequentes Cash- und Kapitalmanagement, sodass Liquidität und die solide Finanzierungsstruktur des Unternehmens auch in wirtschaftlich heraufordernden Zeiten stets sichergestellt werden ­konnten.
 

Fokusthemen der POLYTEC GROUP
  • Operational Excellence & Business Transformation
  • Gezielte Investitionen in ­Innovation und Technologie
  • Spezifische Wachstums­strategie für ­Automotive und ­Non-Automotive
Fokusthemen der POLYTEC GROUP
Umsatz 2025
€ 0 Mio
EBIT 2025
€ 0 Mio
Guidance 2026 (EBIT-Marge)
0 %

Operational Excellence: Basis für Vertrauen und Wirtschaftlichkeit

Parallel zu den geschilderten Maßnahmen wurden Prozesse konzernweit verschlankt und standardisiert, Strukturen vereinfacht und weitreichende Effizienzprogramme umgesetzt. Operational Excellence wurde zur zentralen Managementaufgabe. Das übergeordnete Ziel: Durch innovative und effiziente Produktionsprozesse sollte POLYTEC branchenweit zu dem bevorzugten Partner für Kunststofflösungen werden – nicht zuletzt unterstützt durch den gezielten Einsatz smarter KI-Lösungen und die Neuausrichtung des unternehmenseigenen Lean-Management-Systems PPES.

Hinzu kam ausgeprägte kaufmännische Disziplin: Striktes Working-Capital-Management, klar definierte finanzielle Zielgrößen und ein bewusster Kapitaleinsatz stärkten die Bilanz nachhaltig. Auf diese Weise konnte das Vertrauen der Finanzierungspartner auch in schwierigen Zeiten hochgehalten werden – ein Beleg für die solide Aufstellung und die Glaubwürdigkeit der strategischen Ausrichtung des Unternehmens.

Gleichzeitig investierte POLYTEC gezielt in den Ausbau ihrer Kapazitäten in Form von Brownfield- und Greenfield-Projekten, Übernahmen sowie in eine Reihe von Zukunftsthemen: Im Automotive-Segment wurden Kompetenzen in den Bereichen Batteriegehäuse, Thermomanagement und Leichtbau für Elektrofahrzeuge konsequent ausgebaut. Heute entfallen weniger als 20 Prozent des Produktportfolios unmittelbar auf Anwendungen für den klassischen Verbrennungsmotor – ein deutlicher Fortschritt in Richtung Diversifikation.
 

Gezielte Investitionen in Innovation und Technologie: Sprungbrett in neue Märkte

Ergänzend zur Neuausrichtung des Automotive-Geschäfts in Richtung Elektromobilität erweiterte POLYTEC ihr Angebot aus dem Geschäftsfeld Smart Plastic Applications um vielseitige Non-Automotive-Anwendungen. Dahinter stand die strategische Entscheidung, technologische und industrielle Kompetenz sowie die Innovationskraft des Unternehmens systematisch in neue Märkte zu übertragen.

Die Grundlage dafür bildete ein neuer Ansatz in der Marktbearbeitung, der bewusst über eine rein technologiegetriebene Perspektive hinausgeht. Nicht mehr die jeweilige Fertigungstechnologie steht am Ausgangspunkt neuer Aufträge – vielmehr rücken konkrete Kundenbedürfnisse in den Fokus. Dabei kombiniert POLYTEC das gesamte Know-how des Konzerns, um technologieübergreifend maßgeschneiderte Produktlösungen zu entwickeln, die den tatsächlichen Anforderungen der Kunden optimal entsprechen. Das Unternehmen versteht sich als Entwicklungs- und Fertigungspartner, der gemeinsam mit seinen Kunden robuste, wirtschaftlich tragfähige und nachhaltige Produkte verwirklicht.

Im Bereich Smart Plastic ­Applications erfolgt der Marktzugang auf drei unter­schiedlichen Wegen: über Neuentwick­lungen für und gemeinsam mit langjährigen Kunden, über Industrialisierung und ­Skalierung für von externen Innovatoren entwickelte Produkte sowie über die Entwicklung und Fertigung von Produktideen für neue Kunden. Einige vielversprechende Aufträge konnten auf diese Weise ­bereits gewonnen werden, ­weitere Projekte befinden sich kurz vor der Marktreife. 

Ein wichtiges Wachstumsfeld bilden in diesem Zusammenhang Mehrwegverpackungen. Aufbauend auf langjähriger Erfahrung in der Produktion von Logistik­boxen befasst sich POLYTEC aktuell mit einer Reihe solcher Projekte und Konzepte, unter anderem mit kreislauffähigen Plant Trays und Shelf-ready Boxes für den Einzelhandel und anderen Transportlösungen. Der Know-how-Transfer aus dem Automotive-Bereich – etwa in Materialauswahl, Prozessstabilität, Qualitätsmanagement und Industrialisierung – bildet dabei die Basis für neue wettbewerbsfähige Produkte. Bereits heute tragen Non-Automotive-Lösungen wesentlich zur Risikodiversifikation und Stabilität des Geschäftsmodells von POLYTEC bei. Mittelfristig soll der Geschäftsbereich rund 30 Prozent des Konzernumsatzes erreichen.
 

Ein Markt unter Druck

Seit 2017 hat sich das Marktumfeld für europäische Automobilzulieferer spürbar verschärft. Die Produktionszahlen liegen deutlich unter früheren Höchstständen, Überkapazitäten belasten die Industrie, und die Transformation in Richtung Elektromobilität verläuft weniger dynamisch als ursprünglich prognostiziert. Hinzu kommen volatile Rohstoffpreise, steigende Energie- und Personalkosten, politische Unsicherheiten und wachsende Konkurrenz aus Fernost.
 

Nach 2017 ging die Automobilproduktion in Europa massiv zurück und dürfte in absehbarer Zeit auch nicht wieder an frühere Stückzahlen von 20 Millionen Fahrzeugen und mehr pro Jahr anschließen können. Mit gezielten Maßnahmen entlang dreier Handlungsstränge reagierte POLYTEC frühzeitig auf diesen Trend, darunter mit dem Ausbau ihres Non-Automotive-Geschäfts.

Automotive

  • Seit vielen Jahren etablierter Entwicklungs- und Fertigungspartner der Automobilindustrie
  • Starke Positionierung im Bereich Elektromobilität

Non-Automotive

  • Smart Plastic Applications als zukunftsorientiertes Wachstumsfeld
  • Know-how-Transfer von Automotive zu Non-Automotive
  • Starke Kundenbasis als Ausgangspunkt für neue Projekte
  • Differenzierter Marktzugang

Differenzierte Wachstums­strategie für Automotive und Non-Automotive: Potenzial ­umfassend nutzen

Innovationsgeist und Technologie-Know-how sind seit jeher Kernelemente der Strategie von POLYTEC und prägen sämtliche strategischen Entscheidungen im Unternehmen. 2020 definierte der Konzern im Rahmen der POLYTEC SOLUTION FORCE eine Reihe technologieunabhängiger Produktlinien. Seither setzt POLYTEC in der Marktbearbeitung ihre Technologievielfalt noch stärker als USP ein und rückt optimale Lösungen für die jeweilige Kundenanwendung in den Mittelpunkt.

Damit reagierte POLYTEC nicht zuletzt auf die bereits erwähnte Schwäche der Automobilindustrie. Neue Märkte außerhalb der Branche sollten gezielt erschlossen werden und das Wachstum im Non-Automotive-Geschäft beschleunigen. In diesem Bereich möchte das Unternehmen organisch wachsen und investiert gezielt in die Erweiterung von Non-Automotive-Kapazitäten, ohne dabei das bewährte Standbein als Automobilzulieferer aufzugeben. Vor allem im Bereich Elektromobilität umfasst das Portfolio des Unternehmens heute eine Reihe vielversprechender Produktinnovationen. Allerdings verfolgt POLYTEC im Automotive-Bereich aktuell einen defensiven Kurs nach dem Motto „Wait & See“: Man beobachtet die Marktentwicklung, greift selektiv attraktive Gelegenheiten auf und investiert bei Bedarf risikoavers in neue Fertigungsanlagen.

Zu den erwähnten Investitionsfeldern zählt die Erhöhung der Wertschöpfungstiefe – allem voran durch Vertical Integration. Der gezielte Ausbau der eigenen Materialentwicklung und -produktion unterstreicht diesen Anspruch. So werden an ausgewählten Standorten Halbzeuge in Eigenleistung gefertigt bzw. neue Werkstoffe, darunter innovative UD-Tapes, Organosheets, mehrschichtige Sandwich-Halbzeuge oder SMC-Halbzeug, entwickelt. Damit möchte das Unternehmen einerseits seine Unabhängigkeit von den Lieferketten erhöhen und andererseits sein Portfolio um wettbewerbsfähige Produktlösungen für neue Kundengruppen erweitern. Mehr zum Thema Materialentwicklung und -produktion lesen Sie ab Seite 33.

Im Rahmen ihres strategischen Portfoliomanagements legt die POLYTEC GROUP den Fokus auf ausgewählte Produktfelder sowie auf die Bündelung von Technologien, durch die sich das Unternehmen maßgebliche Synergieeffekte und langfristiges Wachstum verspricht. Wachstum bedeutet für POLYTEC, gemeinsam mit bestehenden und neuen Kunden bzw. Partnern Lösungen zu entwickeln und damit nachhaltige Profitabilität sicherzustellen. Wachstum um jeden Preis ist nicht das Ziel. Entscheidend ist vielmehr, die eigene technologische Kompetenz dort einzusetzen, wo langfristige Perspektiven und stabile Partnerschaften entstehen.

 

POLYTEC ist und bleibt Automobilzulieferer – mit tiefem Branchenverständnis und technologischer Breite. Zugleich haben wir uns in den vergangenen Jahren zu einem diversifizierten Kunststoffspezialisten mit wachsendem Non-Automotive-Geschäft entwickelt. Diesen strategischen Weg wollen wir fortsetzen.

Markus Huemer
CEO

Position nachhaltig gestärkt

Nach mehreren Jahren intensiver Transformation befindet sich POLYTEC heute in einer deutlich stärkeren Position. Die Kostenbasis ist angepasst, die Bilanz stabil, das Portfolio zunehmend diversifiziert. Die Abhängigkeit von einzelnen Kunden wird reduziert, und das Unternehmen kann strukturellen Veränderungen widerstandsfähiger begegnen. Der Turnaround ist nicht nur operativ sichtbar, sondern strategisch verankert. POLYTEC hat bewiesen, dass Flexibilität, Disziplin und Innovationskraft kein Widerspruch sind, sondern sich gegenseitig verstärken können.